Über die Arbeit von Herbert Schmidt in ‚Kunst ist Heimat‘

von Harald Möhring

Über die Arbeit von Herbert Schmidt in ‚Kunst ist Heimat‘

150 150 Herbert Schmidt

… Ich denke nicht an ein Ding – oder einen Gegenstand oder einen Ausdruck… ich denke nicht, sondern ich mache und mache… Wenn es gelingt, so aus dem Prozess heraus etwas zu schaffen… das ich nicht mir so wirklich im Kopf überlegt hab und nicht geplant und nicht gewollt hab… dann ist‘s richtig, dann ist‘s gut! – Es ist aber ganz schön schwierig, ganz schön schwierig, weil, man hat ja nun einen Kopf, und man denkt ja auch!“ Und den Kopf darf man nicht ablegen, denn der Künstler muss ja in jedem Augenblick das Geschehen beobachten und beurteilen, wie sonst könnte etwas „auf ihn zu kommen“?

Der studierte und gut verdienende Ingenieur hat sich von Vielem losreißen müssen, um solche Authentizität zu erreichen. Eine ganze durchlebte Welt steht hinter seiner Serie „Wenn das In-der-Welt-Sein zur Heimat wird“. Über große Stufen verlief dieser Prozess, zunächst ist die Heimat des Kindes aus Herrenberg aufgebrochen seit dem Studium in Berlin, später zu europäischer Weltläufigkeit; aber dann noch einmal in ganz anderer Weise, als der Ingenieur zwischen seinen Computern zwar die Welt flugzeug-erreichbar hatte, und doch keine Freiheit, und sich gegenüber den Abhängigkeiten des Alltags die dritte, weiteste Heimat in seiner Kunst verschaffen musste – nichts anderes kam mehr in Frage. So spürt der Betrachter in seinen Bildern die ruhige Präsenz („Ruhender Geist“ heißt eines), das große Schweigen, das ‚man nicht interpretieren muss, nicht interpretieren soll‘, um das stille Anwachsen nicht zu stören.

von Harald Möhring
(Kunsthistoriker)